Und sie blüht doch


Im Mai schenkten wir uns eine blaue Glockenrebe und erwarteten Blüten ab Juli bis Oktober. Im Juni suchten wir nach Knospen, im Juli vermissten wir Blüten, im August sagten wir uns, ein bisschen enttäuscht zwar, dass das filigrane Blättergeflecht auch sehr dekorativ sei. – Am dritten September entdeckten wir die erste Glocke in zartlila, nach ein paar Tagen blühte sie blau violett. Wie es aussieht, werden weitere Glockenblumen blühen.

Noch selten hat mich eine Blüte so innig beglückt. Ich war hin und weg. Die schöne Spätblüherin hat mich verwundert – und mir einiges über das Leben mitgeteilt. Sie hat mich erneut erfahren lassen, dass sich etwas Vermisstes oder Erwünschtes dann einstellt, wenn man es nicht mehr erwartet (wenn auch nicht immer, wie wir wissen).
Dennoch: Loslassen schafft Raum für Überraschung.

Eine einzige Blüte kann in ihrer Vollkommenheit grossen Eindruck machen, viel Freude bereiten. Hätten an einem Tag im Juli zwanzig Blüten geblüht, hätte ich dies vermutlich als selbstverständlich betrachtet. Schliesslich wird die Pflanze als Dauerblüherin angepriesen.  
Wie oft bedeutet weniger mehr!

Und ist diese schöne Spätblüherin nicht auch eine Lehrmeisterin in Geduld und Vertrauen in das Leben? «Ich blühe zu meiner Zeit,« scheint sie mir zuzubimmeln, «zieh nicht an meinem Lebensfaden, auch nicht in deinen Gedanken, es ist unnötig, bringt nichts. Ich entfalte mich gemäss meinem Plan.«
Wie entspannter könnte das Leben mit mehr Geduld sein, wie leichter mit mehr Vertrauen in das Leben, in Gottes Pläne!


Gott, Du ewiges Leben

In einer einzigen späten Blüte
zeigst du uns vollkommene Schönheit
und wie Wachsen und Blühen geht.

Wir danken dir
für die Fülle im Wenigen und
das Vollkommene im Hier und Jetzt.

Wir bitten dich
um mehr Vertrauen in deine Pläne und
mehr Geduld in dieser Zeit.

Wir bewundern deine Pläne.
Wir wollen sie nicht zerstören,
sondern durch uns verwirklichen (lassen).

Amen

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