An einem unbeschwerten Tag

Es gibt solche Tage, an denen ich mich ruhig und kräftig fühle. Es sind besondere Tage auch wenn sich nichts Aufregendes ereignet. Es ist dann still in mir, auch wenn die Nachbarin draussen den Rasen mäht. Ich atme Luft voller Goldflimmer ein. Das Leid ist leicht. Es tut nicht weh. Die Sorgen sind für eine Weile vergessen. Wenn die Angst anpocht, findet sie heute keinen Boden. Wenn ich mich frage, ob ich der nächsten Herausforderung gewachsen bin, bekommen die Zweifel keine Nahrung. Ich denke auch nicht darüber nach, warum ich diese Innerlichkeit nur so selten empfinden darf.
Gott ist am Werk. Ich will einfach nur meinem Gott danken.

Mein Gott
Du schenkst mir in meiner Schwäche neue Kraft,
und erfüllst meine Trauer mit klarem Licht.
Du nimmst mich in meiner Mittelmässigkeit an
und zeigst mir den nächsten Schritt.
Immer wieder neu.
Ich danke dir.

Mir dir halte ich meinen Schmerz aus,
und fühle Boden unter den Füssen.
du machst mich geduldiger
und gibst mir Ruhe und Vertrauen.
Immer wieder neu.
Ich danke dir.

Du beschenkst mich
mit deinem belebenden Atem,
mit dem Werden und Vergehen,
und mit neuer Hoffnung.
Immer wieder neu.
Ich danke dir

Jeden Tag darf ich deine Wunder sehen;
die blaue Wegwarte am Strassenrand,
die geheimnisvollen Wolkenbilder am Himmel,
die ersten Schritte eines Kindes,
die leuchtenden Augen meiner dementen Mutter.
Ich danke dir.

Ein Tag wie dieser beglückt mich
mit seiner Fülle im Einfachen,
mit seiner Lebendigkeit in der Ruhe,
mit seiner Hoffnung in der Resignation,
mit seiner Besonderheit im Gewöhnlichen,
mit dem Leben im Angesicht des Todes.
Mein Gott. Ich danke dir.

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